Thüringen 21.05. - 24.05.2009 Drucken
Sonntag, 24. Mai 2009 um 00:00 Uhr

In Deutschlands Mitte gelegen wird der Freistaat Thüringen wegen seines Waldreichtums auch "Das Grüne Herz Deutschlands" genannt. 2,3 Mio. Thüringer teilen sich über 16.100 Quadratkilometer Fläche, da bleibt viel Platz für Motorrollertouren auf gut ausgebauten und wenig befahrenen Kurvenstrecken durch Wälder und Hügelland.

Stolze Burgen, fallende Wasser und hohe Berge

Eine kleine, schmale Landstraße führt uns nach Schwarza, umgeben von Bergwiesen und dichten Nadelwäldern, am Südhang des Thüringer Waldes gelegen. Am Ortsende lohnt es sich, auf der K 2513 in Richtung Christes abzubiegen. Die kleine Landstraße befindet sich in einem hervorragenden Zustand und schlängelt sich in sanften Kurven durch den Wald. Die sieben Kilometer von Schwarza nach Christes sind ein wahres Sahnestück.

Kaum weniger schön führt der Tourenverlauf von Christes über Breitenbach nach Schmalkanden mit seinen wunderschönen Fachwerkhäusern im mittelalterlichen Stadtkern und von dort - auf einem teils recht schmalen Teerband mit merklich schlechterem Belag - weiter ins Trusetal. Der Trusetaler Wasserfall fasziniert mit Millionen Wassertropfen und schillernden Regenbögen. Der höchste Wasserfall des Thüringer Waldes ist allerdings kein natürlich entstandenes Naturphänomen sondern künstlich angelegt. Der Schönheit der tosenden, 60 m kaskadenartig ins Flussbett der Truse herabstürzenden, Wassermassen tut dies allerdings keinen Abbruch. Störend sind lediglich das Kassenhäuschen davor und die zahlreichen touristischen Verkaufsbuden.
Die Freunde der Gartenzwerge sollten am Ortsausgang unbedingt halten, denn hier befindet sich ein Zwergenpark. Über 1.500 Zwerge aller Art sorgen hier für jede Menge Unterhaltung.
Weiter schwingen wir uns auf höchst kurvenreicher Piste über Bad Liebenstein - dem ältesten und größtem Heilbad Thüringens, wo bereits Goethe kurte - und Gumpelstadt nach Waldfisch. Von hieraus bietet die Landstraße weiter kurvenreichen Fahrspaß durch den Thüringer Wald.

In Marksuhl stossen wir auf die B 84. Sofort wir der Verkehr deutlich stärker und LKW`s quälen sich vor uns durch die Kurven, bis wir schließlich Eisenach erreichen, wo einst Martin Luther zur Schule ging und Johann Sebastian Bach geboren wurde. Hier herrscht buntes Treiben. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie die Nikolaikirche sowie das Bach- und das Lutherhaus, liegen nur einen Steinwurf auseinander und hoch über der Stadt thront die Wartburg, berühmtes Wahrzeichen deutscher Geschichte. Hier übersetzte Martin Luther das neue Testament, hier soll er mit dem Tintenfass nach dem Teufel geworfen haben und hier stritten Minnesänger um die Ehre des Besten. Nach steilem Aufstieg schlendern wir gemütlich durch das enge, auf steilem Fels gelegene Burgareal und genießen einzigartige Ausblicke auf Eisenach und Umgebung.

Als „landschaftlich schöne Strecke“ ist die „Klassikerstrasse“ ausgezeichnet, der wir in Richtung Wilhelmstal und dann nach Ruhla, gelegen in einem langgestreckten engen Gebirgstal, folgen. Hier kann man, falls es denn die Zeit erlaubt, im Miniaturenpark „mini-a-thür“ über 60 der berühmtesten Thüringer Sehenswürdigkeiten bewundern. (Uns hat es die Zeit leider nicht erlaubt).
Kurve reiht sich an Kurve auf den einsamen Strassen durch den Wald, der nur wenige Lichtungen für einen Rundblick öffnet.

Über Brotterode, Richtung Tabarz und nach dem sogenannten Kleinen Inselsberg, wedeln wir auf engen Serpentinen eine kurvige Pflasterstrasse hinauf zum Großen Inselsberg - für einen Blick über das dunkle Grün ins Thüringer Land aus 916 Meter Höhe. Die Wahnsichtsaussicht reicht bei klarem Wetter bis zum 100 km nördlich gelegenen Harz. Unmittelbar über die Bergkuppe mit seiner imposanten Sendeanlage, die wegen ihrer zylindrischen Form den Beinamen „Thermosflasche“ trägt, verläuft der berühmteste Wanderweg Thüringens – der Rennsteig. Er verläuft auf der 168 km langen Kammlinie von der Werra bis zur Saale und soll in alten Zeiten einmal die Grenze zwischen den Thüringer und Fränkischen Königreichen gewesen sein. Leider ziehen plötzlich tiefschwarze Wolken um den Gipfel auf, sodass wir uns an die Abfahrt machen, ehe sich die die Strasse in eine seifige Rutschbahn verwandelt.

Zwischen den Ortschaften Tabarz und Friedrichsroda kommen wir an der Marienglashöhle vorbei, einer überwiegend durch Bergbau entstandenen Schauhöhle. Der Name Marienglas wird für klare Gipskristalle verwendet und stammt von deren Verwendung als Glasersatz vor Marienbildern. Bei Lust und Muße empfiehlt sich auch ein lohnenswerter Stopp beim fast tausendjährigen Schloss Reinhardsbrunn bei Friedrichroda, wo der Märchenfilm Rapunzel gedreht wurde.

Wir folgen der Landstraße nach Kleinschmalkalden. Erneut kommen wir vor lauter Kurven und der herrlichen Landschaft aus dem Staunen nicht heraus. Dieser Tourabschnitt ist Genuss pur. Am Ortsausgang von Kleinschmalkalden geht es über eine alte Steinbrücke weiter nach Seligenthal. Zwei Besucherbergwerke säumen den ansonsten touristisch wenig interessanten Weg Richtung Floh-Seligenthal. Ab Struth-Helmershof verlangen jedoch bereits wieder knackige Kurven unsere Aufmerksamkeit und der weitere Tourenverlauf bis Rotterode führt uns über eine Höhenstraße mit herrlicher Aussicht auf golden blühende Rapsfelder.

In Ruppberg biegen wir auf eine kleine Nebenstecke ab, welche uns kurvengenüsslich wieder zurück nach Suhl führt. Der Ruf nach ‘ner Tanke für Scooter und Mensch wird lauter und wir lassen den Tag bei einem leckeren Hasseröder Pilschen - oder auch 2 oder 3 oder… - genussvoll ausklingen. Rollern im Thüringer Wald machen hungrig und durstig. Vor allem aber eins: Glücklich.

 

Lebendige Geschichte, grüne Höhen und ein dunkles Tal

Wolkenloser, blauer Himmel, Sonnenschein – ein Tag wie geschaffen für eine lustvolle Rollertour.

Einsam geht’s voran durch die Thüringer Wälder. Die gut ausgebaute Strecke bietet dank ihrer Kurven reichlich Abwechslung. Vorbei am Rennsteiggarten mit seinen fast 4.000 seltenen Pflanzenarten aus den Gebirgen Europas und der Welt erreichen wir Oberhof, die frühere „Kaderschmiede“ des Wintersports, mit Skisprungschanze und Eisrodelbahn. Weltmeisterschaften, Weltcups, internationale und nationale Wettkämpfe sowie die zahlreichen Erfolge der Wintersportler haben Oberhofs Ruf als Wintersportzentrum geprägt. Hier auf über 900 m Höhe, dringt die Kälte schnell durch unsere Motorradhandschuhe. Ja haben wir denn tatsächlich noch Winter ?

Am idyllisch gelegenen Technikmuseum Tobiashammer in Ohrdruf legen wir eine kurze Rast ein.

In Wachsenburggemeinde, am 1. Deutschen Bratwurstmuseum, treffen wir Lucy und Hansi vom thüringer Rollerclub „Die Roller“. Gemeinsam steuern wir flott über die „Klassikerstrasse“ Erfurt an. Thüringens Städte haben es „in“ sich, wie wir beim Bummel durch die Landeshauptstadt feststellen. Das einzigartige Ensemble von Mariendom und St. Severi Kirche und natürlich die Krämerbrücke – die komplett erhaltene, längste bebaute Brückenstrasse Europas. Wer gerne auf Entdeckungsreise geht, dem hat Erfurt einiges zu bieten.

Natürlich führt auch an Weimar kein Weg vorbei und so geht es über die Zwei-Burgen-Stadt Kranichfeld, durch blühende und duftende Landschaften soweit das Auge, reicht weiter zur Kulturhauptstadt des Jahres 1999. Immerhin stehen 16 einzigartige Objekte Weimars auf der Liste des Weltkulturerbes. Die Herzogin Anna Amalia

Bibliothek, das Cranach Haus, Goethes Wohnhaus – da schlagen nicht nur die Herzen eingefleischter Kulturfans höher. Irgendwie ist auch die „Roster“, die thüringer Rostbratwurst, ein Kulturgut und so gibt es am Bratwurststand am Markt vor der Weiterfahrt erst einmal eine Stärkung. Zurück am „Platz der Demokratie“ stellen wir fest, dass die Ordnungsmacht Weimars kein Pardon kennt – 15 € kostet jeden von uns das Sightseeingvergnügen wegen Parkens auf dem Bürgersteig.

Die Bier- und Burgenstrasse führt uns weiter nach Rudolstadt, am Ufer der Saale in einer waldreichen Landschaft am Eingang zum Schwarzatal gelegen. Über der Stadt erhebt sich weithin sichtbar die Heidecksburg. Das ehemalige Residenzschloss birgt in seinen Innenräumen eine Fülle von architektonisch und kulturhistorisch wertvollen Kostbarkeiten. Am Fuße der Heidecksburg lädt die historische Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, ihren Kirchen und Renaissance-Bürgerhäusern zum Verweilen ein.
Noch vor Bad Blankenburg lockt die Burg Greifenstein zu einem kleinen Abstecher. Die Burg an sich ist sehr schön und lohnt sicher einen Besichtigungsstopp. Wir grüßen die Burg heute jedoch nur aus der Ferne mit der linken Hand vom Lenker und steuern zügig auf Bad Blankenburg zu. Hier stoßen wir auf den kleinen, dahinplätschernden Fluss Schwarza, bevor dieser in die Saale mündet.

Wir halten uns in Richtung Schwarzburg und sind schon mittendrin im wildromatischen Schwarzatal, dem Tal der Porzellanherstellung und Glasbläser. Schmal und kurvig schlängelt sich die winzige Straße im Licht und Schattenspiel an der Schwarza entlang, gesäumt von hohen, dunklen Tannen und steilen Felsen. Zu flott geht es eh nicht voran und mit etwas weniger Speed lässt sich diese Sahnestrecke einfach besser genießen - herrlich!
Steil bergan führt eine kleine Nebenstrecke nach Oberweißbach, der Bergstation der legendären Oberweißbacher Bergbahn in mitten des "Thüringer Kräutergartens", einer reizvollen Mittelgebirgslandschaft. Die unter Denkmalschutz stehende steilste Standseilbahn der Welt zum Transport normalspuriger Eisenbahnwagen überwindet von der Talstation Obstfelderschmiede bis Lichtenhain/Bgb. auf einer Strecke von 1.360 m einen Höhenunterschied von 320 Metern. Berauschend ist der endlose Blick von hier oben über die Höhen des Thüringer Waldes.
Nicht zu enge geschwungene Kurven geleiten uns von Neuhaus am Rennweg nach Katzhütte. Einfach herrlich zu fahren. Auf den gut ausgebauten, verkehrsarmen Strassen könne wir jetzt auch einmal die Gashand arbeiten lassen. Da macht „Kurven räubern“ doch gleich noch mal soviel Spaß!
Als sich die Sonne anschickt, im Westen zu versinken, erreichen wir wieder Suhl und hier endet dann auch unsere Reise durch das Land der einzig echten Rostbratwürste, durch das Land von Luther, Bach und Goethe.

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